Was wirfst du gegen die Drohne?
Drohnen sind längst nicht mehr das teure Spielzeug reicher Männer oder das exotische Werkzeug der Bundeswehr. Für 400 Euro bekommt man auf Amazon ein Fluggerät, das in zehn Minuten über einem Bundesligastadion hängen kann, über einem Chemiepark, über der Warteschlange vor dem Bürgeramt. Ukraine hat es der Welt vorgemacht: mit Bastelware und ein bisschen Programmierkenntnis lassen sich Panzer, LKWs, ganze Kommandoposten ausschalten. Die Technik ist demokratisch geworden, im schlechtesten Sinne des Wortes.
Und Deutschland? Deutschland debattiert über Formulare.
Ich habe darüber ein Buch geschrieben. Es heißt „ACHTUNG DROHNE!“, erschienen im Selbstverlag, 102 Seiten, ISBN 3000869069, zu haben bei Amazon KDP. Und weil ein Buch heute nicht mehr reicht, um Leute vom Thema zu überzeugen, habe ich auch eine kleine Physiksimulation gebaut. Die Frage, die sie stellt, ist so simpel wie ehrlich: Was wirfst du gegen die Drohne?
Coladose. Bierkrug. Backstein. Schneeball. Pflasterstein. Ahornsame. Vierzehn Objekte stehen zur Auswahl. Der Nutzer wählt Distanz (1 bis 20 Meter), stellt Wind ein, drückt auf „Werfen“ — und bekommt eine realistische Ballistik-Simulation zurück, inklusive Trefferquote und, nach genug Versuchen, einem digitalen Zertifikat. Das Ding läuft im Browser, ohne Anmeldung, ohne Cookies, ohne Datenkrake im Hintergrund. Man kann es sogar aufs Handy installieren wie eine echte App.
Warum das? Weil ich glaube: wir müssen üben, über Drohnen zu reden. Und zwar bevor die erste über einem deutschen Volksfest hängt und die Feuerwehr ratlos daneben steht.
Die deutsche Antwort ist keine Antwort
Frag mal jemanden in deiner Stadt, was er tun würde, wenn eine unbekannte Drohne über seinem Garten kreist. Die ehrliche Antwort in acht von zehn Fällen: „Polizei rufen.“ Und die Polizei? Wartet, bis die Drohne wegfliegt. Weil sie sie weder abschießen darf noch die technischen Mittel dazu hat.
Dann kommt der zweite Reflex: „Ich könnte doch mit was werfen.“ Und genau da beginnt der interessante Teil. Denn zwischen dem Gedanken „mit was werfen“ und dem tatsächlichen Treffer eines fliegenden Objekts in fünfzehn Metern Höhe liegt eine erstaunliche Menge Physik. Die meisten unterschätzen, wie viel Bewegung eine Drohne macht, während der Stein noch fliegt. Und wie stark ein bisschen Wind schon reicht, um dein Bierkrug meterweit vorbeigleiten zu lassen.
Die Simulation ist bewusst nicht als Anleitung gemeint — bevor jemand die Hände hebt: es ist nach deutschem Recht in fast allen Fällen strafbar, eine fliegende Drohne herunterzuholen. Sachbeschädigung, Störung des Luftverkehrs, gegebenenfalls sogar Waffenrecht, wenn man kreativ wird. Die Simulation ist ein didaktisches Werkzeug. Sie soll zeigen, was ballistisch überhaupt geht — und was nicht.
Das Ergebnis überrascht viele: der klassische Backstein hat auf zehn Meter eine Trefferquote von unter 15 Prozent, selbst nach längerem Training. Die Coladose ist wegen ihrer Wurfbarkeit und Streuwirkung effektiver, als man denkt. Der Bierkrug — bayerische Instinktwaffe — verliert wegen des ungünstigen Schwerpunkts erstaunlich schnell an Präzision. Und der Ahornsame? Der ist als Wurfobjekt komplett wertlos, aber pädagogisch großartig, weil er dem Nutzer schlagartig zeigt, was Luftwiderstand ist.
Ein Buch für die Bequemen, eine App für die Neugierigen
Das Buch geht in die Tiefe. Es erklärt, warum Behörden aktuell überfordert sind. Warum jede seriöse Drohnenabwehr aus einem Baukasten aus Detektion, Störung und kinetischer Wirkung besteht, und warum Deutschland an keiner dieser drei Stellschrauben ausreichend forscht. Es zeigt, was die Ukraine binnen drei Jahren gelernt hat, was die Israelis machen, was die Chinesen längst als Standardausrüstung an Polizeiwagen montiert haben. Und es stellt die Frage, die kein Politiker beantworten will: Wollen wir eigentlich Drohnenabwehr, oder wollen wir weiter Debatten?
Die App ist die Kurzform. Fünf Minuten, ein bisschen Physik, ein bisschen Frust über die eigene Trefferquote, und am Ende die Erkenntnis: „Aha. So einfach ist das also nicht.“ Wer die App gespielt hat, versteht besser, warum bloße Empörung nicht hilft. Wer das Buch liest, versteht, was stattdessen helfen würde.
Beide zusammen sind ein Angebot. Kein besonders freundliches, kein besonders diplomatisches. Aber eines, das dem Ernst der Lage angemessen ist.
Die App ist kostenlos. Das Buch nicht.
Die Physiksimulation läuft unter ding-gegen-drohne.pplx.app. Kostenlos, ohne Konto, ohne Werbung, ohne Tracking. Sie ist als Progressive Web App gebaut — heißt: auf dem Smartphone öffnen, „Zum Home-Bildschirm hinzufügen“ wählen, fertig. Läuft auch offline. Für Lehrer, die es im Physikunterricht einsetzen wollen: gerne, ohne Rückfrage, ist mir eine Freude.
Das Buch gibt’s bei Amazon als Taschenbuch, 102 Seiten, ACHTUNG DROHNE!. Und ja — der Link enthält meinen Amazon-Partner-Tag. Wenn du drüber kaufst, bekomme ich einen kleinen Anteil, dich kostet es keinen Cent extra.
Wer mag, kann sich für gelegentliche Updates zu Buch und App auf kotzian.de/newsletter/ eintragen. Kein Spam, jederzeit abbestellbar, Double-Opt-in wie es die DSGVO will.
Zum Schluss
Ich weiß, dass ein Buch und eine Physiksimulation die deutsche Drohnenabwehrlage nicht ändern werden. Aber sie sind mein Beitrag zu einer Debatte, die viel zu leise und viel zu spät geführt wird. Wenn drei Leute die App spielen und danach beim nächsten Stammtisch mal nicht „Man müsste doch…“ sagen, sondern „Ich habe mal getestet, was da eigentlich passieren würde…“, dann hat es sich schon gelohnt.
Also: was würdest du werfen?
